11 notwendige Ergänzungen zur Sozialinitiative

Die Ökumenische Sozialinitiative der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland hat eine breite Diskussion angestoßen. Die zentralen Etappen des Diskussionsprozesses, vom Kongress "Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft" bis zu den Stellungnahmen, Gastbeiträgen und Kommentaren hier auf dieser Webseite, sind im Dokumentationsband "Im Dienst an einer gerechten Gesellschaft" zusammengefasst, den Sie hier als PDF herunterladen können

Ökumenische Arbeitsgruppe "Sozialwort" der Auferstehungsgemeinde Freiburg

Die ökumenische Arbeitsgruppe "Sozialwort" der Auferstehungsgemeinde Freiburg in Verbindung mit der Pfarrei St. Barbara in Freiburg-Littenweiler hat 11 ihrer Meinung nach notwendige Ergänzungen zur Sozialinitiative erarbeitet.

Die folgenden Hinweise beziehen sich vor allem auf den Abschnitt: "Gemeinsame Verantwortung heißt, ökologische Nachhaltigkeit in Lebens und Wirtschaftsstilen zu verankern“ (S. 33 ff). Wir halten es für wichtig, dass Fragen der ökologischen Nachhaltigkeit und die Veränderung des Klimas in dem Sozialwort aufgegriffen werden. Wir stimmen zu, dass die Industrieländer hier eine besondere Verantwortung haben.

In folgenden Punkten sehen wir Präzisierungen und notwendige Ergänzung:

1. Die Zusammenhänge zwischen ökologischen Fragen, Lebensgrundlagen und Fragen der Gerechtigkeit sollten deutlicher angesprochen werden (z.B. Bergwerke in Peru und Krankheiten der Bevölkerung, Landgrabbing, Produktion nur für den Export unter Vernachlässigung der Bevölkerung, Zerstörung der Regenwälder, Migration aufgrund von Dürren und Überschwemmungen usw.).

2. Der ökologische Fußabdruck von Menschen in Industrie- bzw. Entwicklungs- und Schwellenländern sollte als Maßstab dienen, um zu unterscheiden, wo Wachstum und Reduzierung angebracht sind. Vorschläge zu einer „Postwachstums-Ökonomie“ verdienen näher diskutiert zu werden, ebenso eine „Ethik des Genug“ (gut leben statt mehr haben) sowie ein „Fasten“ in aktuellem Zusammenhang.

3. Es geht nicht um Wachstum an sich, sondern um Differenzierung, wo Wachstum und wo Rückbau angebracht sind. Letzteres wird in vielen Bereichen der Industriegesellschaften erforderlich sein, wenn mehr Gerechtigkeit angestrebt wird.

4. Die theologische Fundierung besonders im Blick auf die ökologischen Fragen erscheint uns zu knapp. Der eschatologische Horizont, das Verhältnis zu den Tieren, der Umgang mit dem Eigentum des Nächsten usw. könnten die Fragestellung nach einem verantwortlichen Umgang mit der Schöpfung vertiefen.

5. Die ethische Fragestellung würde an Kontur gewinnen, wenn einigen Stichworten aus dem apostolischen Schreiben von Papst Franziskus „Evangelii  gaudium“ nachgegangen würde: „Kultur des Wohlstands“, „Globalisierung der Gleichgültigkeit“, “Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung und der Disparität der Einkommen“, „Wegwerfkultur“ (z.B. in Nr. 53-55).

6. Es sollte unbedingt hervorgehoben werden, dass es nicht nur um Verzicht, sondern in vielfacher Hinsicht auch um einen Gewinn an Lebensqualität geht, durch Erhaltung oder Neu-Gewinnung einer lebenswerten Umwelt, Gewinne für die Gesundheit und das soziale Miteinander. Die Steigerung des „Beziehungswohlstands“ (Sozialwort S.22) verdient eine ausführlichere Behandlung.

7. Daraus könnten sich konkrete Schritte für verschiedene Adressaten ergeben, wobei es den Kirchen und allen ihren Mitgliedern gut anstände, zuerst bei sich selbst anzufangen bzw. die bestehenden guten Ansätze zu verstärken und zu erweitern.

8. Für jeden Einzelnen könnte das bedeuten: Überprüfung des persönlichen ökologischen Fußabdrucks (siehe Internetseite von Brot für die Welt) und Ermunterung zu konkreten Schritten (Stop der Wegwerfmentalität, Auto-Teilen, Bezug alternativer Energie usw.).

9. Für die Kirchengemeinden wäre die Empfehlung wichtig, den Energieverbrauch und die Art der Energiegewinnung zu überprüfen (z.B. mithilfe eines Energiegutachtens), Achten auf Fair-Trade und Bioqualität bei Einkäufen und Festen, Bewusstseinsbildung unter den Mitgliedern durch Bildungsarbeit (vgl. die Fragen zur Klimaveränderung in Chrismon vom 12.06.2014) und Schärfung des Gewissens durch Predigt und Gemeindearbeit.

10. Auf der Ebene der Landeskirchen und Diözesen könnten Studien wie „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“ (Hg. Brot für die Welt, EED und BUND) und ähnliche profilierte Vorschläge von den kirchlichen Hilfswerken erheblich mehr aufgegriffen werden (in Kirchenzeitungen, Akademien etc.).

11. Selbstverständlich begrüßen wir das Ziel der Initiative, eine breite gesellschaftliche Debatte anzustoßen. Wir denken aber, dass dies eher möglich ist, wenn mutige und glaubwürdige Schritte der Kirchen voraus gehen, was leider nach unserem Eindruck noch zu selten geschieht. Dabei sollte ökumenische Zusammenarbeit selbstverständlich sein und darüber hinaus die Zusammenarbeit mit anderen Religionen in unserem Land und allen Menschen guten Willens (Selbsthilfegruppen, Freiwilligenorganisationen, Verbänden...) angestrebt werden.