Arbeit neu denken (Tagespost-Kolumne Teil 8)

Die Ökumenische Sozialinitiative der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland hat eine breite Diskussion angestoßen. Die zentralen Etappen des Diskussionsprozesses, vom Kongress "Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft" bis zu den Stellungnahmen, Gastbeiträgen und Kommentaren hier auf dieser Webseite, sind im Dokumentationsband "Im Dienst an einer gerechten Gesellschaft" zusammengefasst, den Sie hier als PDF herunterladen können

Thomas Dörflinger

Thomas Dörflinger (CDU) ist Mitglied des Bundestages und Bundesvorsitzender des Kolpingwerks Deutschland.

Der Sozialinitiative der beiden großen Kirchen kommt das Verdienst zu, das Thema Arbeitslosigkeit auch zu Zeiten brummender Konjunktur wieder in den Fokus gerückt zu haben. Integration von Menschen in soziale Bezüge ist ein wesentliches Kennzeichen einer christlich geprägten Gesellschaft. Jedes Defizit in dieser Hinsicht ist also Ausgangspunkt für gesellschaftspolitisches Handeln. [...]

Erwerbsarbeit ist ein wesentlicher, jedoch nicht die alleinige Möglichkeit gesellschaftlicher Partizipation. Das Kolpingwerk Deutschland betont mit seinem „EFG-Modell“ die Gleichwertigkeit von Erwerbsarbeit, Familienarbeit und freiwilliger Gesellschaftsarbeit. Auch wenn die beiden letztgenannten Arbeitsformen zu keinem substanziellen Einkommen führen, so erfüllen sie doch zweifellos nicht nur die Funktion der gesellschaftlichen Teilhabe, sondern sie sind auch konstitutiv für ein funktionierendes Gemeinwesen. Die geleistete Arbeit in der familiären Erziehung und in der familiären Pflege etwa gerät durch die in der Sozialinitiative vorgenommene Definition weitgehend aus dem Blick. Andererseits wird niemand ernsthaft bestreiten wollen, dass diese Formen von Arbeit eine entlastende Wirkung auf die Finanzen der Solidargemeinschaft entfalten und, noch wichtiger, das Sozialverhalten der Menschen untereinander nachhaltig prägen. Anders herum: Wenn jemand aus welchen Gründen auch immer keiner Erwerbsarbeit nachgehen kann, ist ihm dann der Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe auf Dauer verstellt? Wohl kaum…

Der Beitrag von Thomas Dörflinger ist in der "Tagespost" erschienen. Lesen Sie hier im PDF weiter.