Das System ist am Ende (Tagespost-Kolumne Teil 5)

Die Ökumenische Sozialinitiative der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland hat eine breite Diskussion angestoßen. Die zentralen Etappen des Diskussionsprozesses, vom Kongress "Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft" bis zu den Stellungnahmen, Gastbeiträgen und Kommentaren hier auf dieser Webseite, sind im Dokumentationsband "Im Dienst an einer gerechten Gesellschaft" zusammengefasst, den Sie hier als PDF herunterladen können

Matthias Kiefer

Matthias Kiefer leitet die Abteilung Umwelt des Erzbischöflichen Ordinariats München und ist Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten der deutschen (Erz-)Bistümer (AGU).

Das bisherige, in den früh industrialisierten Ländern seit etwa 200 Jahren vorherrschende Wirtschaftssystem kommt an sein Ende, weil es nicht nachhaltig, nicht dauerhaft-zukunftsfähig ist. Die Krisensymptome sind mannigfaltig, aus dem ökologischen Bereich zählen dazu: Der Klimawandel, die zunehmende Ressourcenerschöpfung, der weltweite Rückgang an fruchtbarem Boden und Trinkwasser, das Artensterben… Aber auch nicht-ökologische Symptome der Nichtnachhaltigkeit gibt es viele: Staatsschulden, die die Spielräume kommender Generationen einengen, dauerhafteMassenarbeitslosigkeit in vielen Staaten, die zunehmenden sozialen Spaltungen auch in früh industrialisierten Ländern, der stark steigende Anteil arbeitsbezogener psychischer Erkrankungen, und so weiter.

Die Ökumenische Sozialinitiative reagiert in ihrer 5. These auf diese zukunftsvergessene Entwicklung. Sie fordert, in den Lebens- und Wirtschaftsstilen die ökologische Nachhaltigkeit zu verankern. Leider bestimmt sie den Begriff nicht viel näher, wichtig aber ist die Doppelung von Lebens- UND Wirtschaftsstilen. Denn meist beschränken sich die bekannten Appelle zur „Maßhaltung“, zum „gut leben statt viel haben“, oder zur neuen Selbstbescheidung beim Konsum zugunsten von mehr Lebensqualität auf die individuelle Lebensführung. So nötig Maßhalten, „Suffizienz“, in möglichst vielen Bereichen ist, so wenig kann sie ausreichen, eine zukunftsgerechte Entwicklung sicherzustellen. Ohne Änderung der Wirtschaftsstile, also ohne strukturelle Anpassungen und ohne Ordnungspolitik, wird es nicht gelingen, die Krisen zu bewältigen.

Der Beitrag von Matthias Kiefer ist in der "Tagespost" erschienen. Lesen Sie hier im PDF weiter.