Die Zukunft der Gesellschaft (Tagespost-Kolumne Teil 6)

Die Ökumenische Sozialinitiative der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland hat eine breite Diskussion angestoßen. Die zentralen Etappen des Diskussionsprozesses, vom Kongress "Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft" bis zu den Stellungnahmen, Gastbeiträgen und Kommentaren hier auf dieser Webseite, sind im Dokumentationsband "Im Dienst an einer gerechten Gesellschaft" zusammengefasst, den Sie hier als PDF herunterladen können

Klaus Stüwe

Professor Klaus Stüwe lehrt Politikwissenschaft und ist Direktor des „Zentralinstituts für Ehe und Familie in der Gesellschaft“ an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

„Die deutsche Bevölkerung schrumpft und altert zugleich.“ Mit dieser Aussage wird die demographische Entwicklung unseres Landes von der ökumenischen Sozialinitiative der Kirchen zutreffend beschrieben. Nach den Modellberechnungen des Statistischen Bundesamtes wird die Bevölkerung Deutschlands bis zum Jahr 2060 von derzeit rund 81 Millionen auf 65 bis 70 Millionen Menschen sinken. Auch der Altersaufbau der Bevölkerung wird sich in den nächsten 50 Jahren erheblich verändern. Der Anteil der älteren Menschen an der Bevölkerung wird deutlich steigen. Im Jahr 2060 wird jeder Dritte (34 Prozent) 65 Jahre oder älter sein.

Zwei Ursachen stehen hinter dieser Entwicklung. Zum einen befindet sich die Geburtenrate in Deutschland seit den 1970er Jahren auf einem anhaltend niedrigen Niveau von durchschnittlich rund 1,4 Kindern je Frau. Sie liegt damit deutlich unterhalb der Quote von 2,1 Kindern, die für den Ersatz der Elterngeneration notwendig wäre. Zudem steigt die Lebenserwartung in Deutschland wie in anderen entwickelten Ländern stetig an. Nach den Annahmen des Statistischen Bundesamtes wird sie bei neugeborenen Jungen bis zum Jahr 2060 um acht auf 85 Jahre und bei neugeborenen Mädchen um sieben auf 89 Jahre steigen.

Der Beitrag von Klaus Stüwe ist in der "Tagespost" erschienen. Lesen Sie hier im PDF weiter.

Kommentare

Nach dem tatsächlichen Stand des Wissens wäre das zivilisatorische Mittelalter (Zinsgeld-Ökonomie) schon seit Jesus von Nazareth oder spätestens seit der Erstveröffentlichung von "Die Verwirklichung des Rechtes auf den vollen Arbeitsertrag durch die Geld- und Bodenreform" (Silvio Gesell, 1906) überwunden. Doch vor der echten Sozialen Marktwirtschaft als dem eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation steht für die Allermeisten die "Auferstehung aus dem geistigen Tod der Religion".

Bevor das Wissen zur Verfügung stand, wie die Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz zu überwinden ist, musste diese "Mutter aller Zivilisationsprobleme" – als die wirkliche Ursache aller Zivilisationsprobleme, die sich überhaupt thematisieren lassen – aus dem Begriffsvermögen des arbeitenden Volkes aktiv ausgeblendet werden. Das war (und ist noch) der einzige Zweck der Religion, die vom Wahnsinn mit Methode (etwa bis zum 6. vorchristlichen Jahrhundert) zum Wahnsinn ohne Methode (spätestens mit der Gründung der "heiligen katholischen Kirche" im 4. Jahrhundert) mutierte. Auf der einen Seite wäre das, was sich heute "moderne Zivilisation" nennt, ohne die Religion nie entstanden, auf der anderen Seite ist nur zusammen mit der Religion das zivilisatorische Mittelalter zu überwinden.

Allgemeiner Wohlstand auf höchstem technologischem Niveau, eine saubere Umwelt und der Weltfrieden erscheinen zunächst als "unerreichbare Utopie", weil – unabhängig von "Glaube" oder "Unglaube" – die Religion eine beliebige Anzahl von "Gegenargumenten" zur freien Marktwirtschaft ohne Kapitalismus hervorbringt und diese bis zum Jüngsten Tag immer wieder aufs Neue entstehen lässt, auch wenn sie alle schon vor über einem Jahrhundert widerlegt wurden. Ohne zu wissen, dass die Religion dahinter steckt, kommentierte Silvio Gesell diesen Sachverhalt 1929 wie folgt:

"Ihr werdet mir tausend Fragen stellen, und nachdem ich sie alle zu eurer Zufriedenheit beantwortet habe, werdet ihr von vorne anfangen."

In einer religiös verblendeten Gesellschaft findet der religiös verblendete "Kritiker" immer genügend Gleichverblendete, die ihm seine "Gegenargumente" abkaufen, auch wenn es gar keine Gegenargumente zur echten Sozialen Marktwirtschaft gibt, sondern nur Vorurteile. Diese können "unter der Gürtellinie" auf tiefstem Niveau als dumpfe Hetzpropaganda von Marxisten hervorgebracht werden, oder auf höherem Niveau z. B. von J. M. Keynes in seiner "Allgemeinen Theorie (der Beschäftigung der Politik)". In allen Fällen bleiben es Vorurteile, mit denen die "Kritiker" nur ihre eigene Propaganda bzw. Bauernfängerei oder ihre eigenen Denkfehler verteidigen wollen.