Einige Fragen an die Sozialinitiative

Die Ökumenische Sozialinitiative der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland hat eine breite Diskussion angestoßen. Die zentralen Etappen des Diskussionsprozesses, vom Kongress "Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft" bis zu den Stellungnahmen, Gastbeiträgen und Kommentaren hier auf dieser Webseite, sind im Dokumentationsband "Im Dienst an einer gerechten Gesellschaft" zusammengefasst, den Sie hier als PDF herunterladen können

Gerhard Endres

Gerhard Endres ist katholischer Theologe und Vorsitzender des KAB-Bildungswerks des Diözesanverbandes der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung München und Freising.

Die 10 Thesen der Kirchen

1. Wirtschaftliches Wachstum in den Dienst des Menschen stellen:

Die Marktwirtschaft soll sich in Bahnen bewegen, die dem Gemeinwohl dienen, der Staat muss Auswüchsen Grenzen stellen, das Geld muss den Menschen dienen, Gewinnmaximierung um jeden Preis ist moralisch inakzeptabel.

  • Wie kann wirtschaftliches Wachstum in den Dienst des Menschen gestellt werden?
  • Welche Aufgabe hat dabei die Politik, der Staat?
  • Wer definiert die Grenzen der Auswüchse?
  • Was ist das Gemeinwohl?

2. Soziale Marktwirtschaft nachhaltig weiterentwickeln:

Die ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen hat zugenommen, die Politik muss den Ausgleich von Wirtschaft und Sozialem im Blick halten.

  • Ist die Beschreibung „ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen hat zugenommen“ nicht eine Untertreibung?
  • Reicht es aus, dass die Politik den Ausgleich von Wirtschaft und Sozialem im Blick hält?
  • Sollte die Politik nicht den Ausgleich von Wirtschaft und Sozialem vorantreiben?
  • Welche Rolle sehen die Kirchen bei dem Ausgleich von Wirtschaft und Sozialem?
  • Reicht es aus, dass die Kirchen mahnen?
  • Sollten Sie nicht auch verstärkt den Ausgleich offensiv einzufordern?

3. Ordnungspolitische und ethische Maßstäbe für die Wirtschaft erneuern:

Die Bankenaufsicht und Finanzmarktordnung soll auch unter moralischen Maßstäben reguliert werden, Manager sollen für Entscheidungen haften.

  • Welche ordnungspolitischen und ethischen Maßstäbe für die Wirtschaft sollen erneuert werden?
  • Reicht es aus, die Maßstäbe zu erneuern, braucht es nicht neue Maßstäbe für die jetzige weltweite Wirtschaft?

4. Staatsfinanzen konsolidieren:

Belastungen sollen gerecht verteilt werden, die Lösung der europäischen Krise darf nicht auf dem Rücken von Millionen Menschen ausgetragen werden, die sie nicht verursacht haben.

  • Wer soll für die Konsolidierung der Staatsfinanzen zahlen?
  • Gibt es Überlegungen, dass auch die Verursacher der weltweiten Wirtschaftskrise sich an deren finanziellen Lösung beteiligen?

5. Ökologische Nachhaltigkeit in Lebens- und Wirtschaftsstilen verankern:

Deutschland und Europa sollen beim Aufbau einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft eine Vorreiterrolle übernehmen.

  • Welche Aufgaben sehen die Kirchen bei der nachhaltigen Wirtschaftsweise?
  • Sehen sich die Kirchen bei ihren Einrichtungen, Gebäuden als Vorreiter?

6. Belastungen des demografischen Wandels gerecht verteilen:

Kindererziehungs- und Pflegezeiten sollen bei der Rente stärker berücksichtigt werden.

  • Warum wird der demographische Wandel nur als Belastung gesehen?
  • Gibt es nicht auch eine Chance des Alters?
  • Warum wird nicht nachgedacht, dass es auch andere Finanzquellen für die Rente geben könnte? (Finanztransaktionssteuer, Vermögenssteuer etc.)

7. Durch Inklusion und Partizipation zur Chancengerechtigkeit beitragen:

Die Integration von Migranten soll verbessert und der Teufelskreis der Vererbung von Armut durchbrochen werden.

  • Gibt es eine gemeinsame Konzeption der Kirchen für diesen breiten Begriff der Inklusion für ihre eigenen Einrichtungen und Schulen?
  • Gibt es schon gute Bespiele ? - Welche Vorschläge zur Finanzierung der Durchbrechung der Vererbung von Armut gibt es?
  • Gibt es Initiativen der Kirchen, sich verstärkt in den Schulen zu engagieren, in denen viele Kinder gehen, denen die Vererbung durch Armut droht?
  • Planen die Kirchen Schulen zu gründen oder zu übernehmen, in denen viele Kinder gehen, denen die Vererbung durch Armut droht?

8. Über Arbeit gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen:

Über staatliche Beschäftigungsmaßnahmen Langzeitarbeitslose einbinden, Auswüchse des unregulierten Arbeitsmarktes staatlich begrenzen, wo nötig einen gesetzlichen Mindestlohn einführen.

  • Welche Initiativen haben die Kirchen ergriffen, um in ihrem eigenen Bereich, Auswüchse des unregulierten Arbeitsmarkts zu begrenzen?
  • Gibt es gemeinsame Vereinbarungen der Wohlfahrtsverbände?
  • Entwickeln die Kirchen in ihrem Bereich, Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose?

9. Durch Bildung persönliche Entwicklung und wirtschaftlichen Fortschritt fördern:

Mehr Geld für Bildung, mehr Durchlässigkeit im Bildungssystem schaffen.

  • Welche Forderungen stellen die Kirchen an den Staat, um zu mehr Durchlässigkeit des Bildungssystem zu erreichen?
  • Welche vorbildlichen kirchlichen Initiativen gibt es in den eigenen Bildungseinrichtungen Durchlässigkeit im Bildungssystem zu erreichen?
  • Gibt es Initiativen für eine Ausweitung der dualen Berufsausbildung in den sozialen Berufen?

10. Europäische Solidaritäts- und Verantwortungsgemeinschaft schaffen:

Bei der Bewältigung der Eurokrise sicherstellen, dass das europäische Gemeinschaftsgefühl nicht auf der Strecke bleibt. Die Idee einer Friedensgemeinschaft weiterentwickeln.

  • Welche Analyse der Wirtschaftskrise haben die Kirchen formuliert?
  • Reicht es aus auf das Gemeinschaftsgefühl zu setzen?
  • Können sich die Kirchen vorstellen, verstärkt die Grundlagen einer sozialen und ökoloigischen Marktwirtschaft zu fördern, damit alle kirchliche Mitarbeiter grundlegende Kenntnisse erhalten?
  • Wäre es nicht sinnvoll, verstärkt Lehrstühle auch finanziell zu fördern, die sich im Sinne der katholischen Soziallehre und der evangelischen Sozialethik einer gerechten Wirtschaftordnung verpflichtet fühlen (z. B. bei den Wirtschaftswissenschaften etc.)
  • Können Sich die Kirchen vorstellen, den Stellenwert gesellschaftsethischer Diskussionen durch die Förderung regelmäßiger Kongresse mit vielen zivilgesellschaftlichen Akteuren zu fördern?

Gerhard Endres,
Vorsitzender des Netzwerks Gesellschaftsethik e.V. Mit dem Online-Magazin denk-doch-mal.de