Mit den Armen teilen!

Die Ökumenische Sozialinitiative der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland hat eine breite Diskussion angestoßen. Die zentralen Etappen des Diskussionsprozesses, vom Kongress "Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft" bis zu den Stellungnahmen, Gastbeiträgen und Kommentaren hier auf dieser Webseite, sind im Dokumentationsband "Im Dienst an einer gerechten Gesellschaft" zusammengefasst, den Sie hier als PDF herunterladen können

Norbert Fabian

Norbert Fabian ist Sozialethiker und engagiert sich bei Pax Christi Deutschland.

Ulrich Koch

Pfarrer emeritus Ulrich Koch war Gemeindepfarrer und ist noch immer ehrenamtlicher Krankenhausseelsorger.

Die Kritik von Papst Franziskus an einer ungerechten Verteilung der Güter, die weltweit eher noch zunimmt, stand im Mittelpunkt eines Seminars des katholischen Bildungswerkes in Duisburg-Rheinhausen. Ausgangspunkt war der zur Diskussion gestellte, bisherige Text der ökumenischen Sozialinitiative von DBK und EKD "Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft".

Diese greift die biblisch-theologisch und vernunftmäßig begründete "Option für die Armen und Benachteiligten" aus dem gemeinsamen Sozialwort der Kirchen von 1997 zwar erneut mit auf. In der ökumenischen "Feststellung" zur Sozialethik, die 2015 von der DBK und der EKD neu erarbeitet wird, sollten gesellschaftskritische Forderung jedoch noch deutlicher und konkreter herausgestellt werden - hierin waren sich die Seminarteilnehmer weitgehend einig.

Immerhin prangert der Text der Sozialinitiative von 2014 die Gier von Spekulanten und deren Verantwortung für die Weltfinanzkrise von 2007/08 deutlich an und verweist auch auf strukturelle Ursachen. Finanzmärkte müssten weltweit wieder eine "dienende Funktion" für die Realwirtschaft haben und zugleich nachhaltig und ökologisch orientierte Investitionen ermöglichen. Forderungen nach einer angemessenen Besteuerung ausufernder Spekulation, riesiger Vermögen und unangemessener Spitzeneinkommen sollten im Anschluss an Papst Franziskus ein auch von ChristInnen und kirchlichen Verbänden zu unterstützendes Anliegen sein.

Durch Inklusion und Partizipation will die Sozialinitiative zur Chancengerechtigkeit beitragen. Dann sollte ein Absturz von prekär Beschäftigten und Langzeitarbeitslosen etwa im Ruhrgebiet in das ALG II möglichst vermieden und ein ergänzender, sozialer Arbeitsmarkt aufgebaut werden. Neue Beschäftigungsmöglichkeiten böte aufgrund der demographischen Entwicklung v.a. der Pflege- und Gesundheitssektor; hier seien allerdings Einkommen angemessener zu gestalten.

Pfarrer Ulrich Koch und der Sozialethiker Norbert Fabian fragten abschließend nach den Möglichkeiten einer Durchsetzung der Forderungen. In jedem Falle sollten die Kirchen und ihre sozialen Einrichtungen beispielhaft vorangehen.