Sechs Ideen, was man anders machen sollte

Die Ökumenische Sozialinitiative der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland hat eine breite Diskussion angestoßen. Die zentralen Etappen des Diskussionsprozesses, vom Kongress "Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft" bis zu den Stellungnahmen, Gastbeiträgen und Kommentaren hier auf dieser Webseite, sind im Dokumentationsband "Im Dienst an einer gerechten Gesellschaft" zusammengefasst, den Sie hier als PDF herunterladen können

Josef Göbel

Josef Göbel ist Mitglied des Publik-Forum Leserkeises in Berlin, der sich eingehend mit der Sozialinitiative befasst und eine gemeinsame Erklärung sowie individuelle Stellungnahmen zur Sozialinitiative der Kirchen verfasst hat.

Publik-Forum Leserkreis Berlin

Der Publik-Forum-Leserkreis Berlin hat sich eingehend mit der Sozialinitiative befasst und eine gemeinsame Erklärung sowie individuelle Stellungnahmen verfasst.

Wenn man mit „Thesen“ zur Diskussion auffordert, diese aber  nach dem Urteil vieler nichts  Neues enthalten, sondern nur Beschreibungen der gängigen Meinung und Praxis,  dann bleibt nur das gute Beispiel der Initiatoren. Wir als Kirchen sollten uns nicht nur selbst fragen, was eine Erneuerung  für unser eigenes  Handeln bedeutet, sondern müssen auch etwas wagen, um die gesellschaftliche  Diskussion ernsthaft anzustoßen. Ratlose Worte sind genug gewechselt.

Abschließend sagt das  ja auch die „Sozialinitiative“ selbst mit einem Zitat des gemeinsamen Wortes der Kirchen von 1997: „Es genügt nicht , wenn die Kirchen die wirtschaftlichen und sozialen Strukturen und die Verhaltensweisen der darin tätigen Menschen thematisieren. Sie müssen auch ihr eigenes Handeln in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht bedenken. Das kirchliche Engagement für Änderungen in der Gesellschaft wirkt umso überzeugender, wenn es innerkirchlich seine Entsprechung findet.“ (S.59)

Als konkreten Beitrag zur Diskussion über eine erneuerte Wirtschafts- und Sozialordnung sollten wir als Kirchen...

- sofort verzichten auf fortgesetzte Entschädigungsleistungen (Dotationen) für eine Enteigung, die vor über 200 Jahren stattgefunden hat. (Sehr wohl könnten wir Honorare annehmen für aktuelle gesellschaflich relevante Leistungen, wie sie jedem gemeinnützigen Verein zustehen.)

- sofort verzichten auf ein eigenes kirchliches Arbeitsrecht, das zu immer unsolidarischeren Praktiken verführt (z.B. dürfen in der Stephanus-Stiftung in Berlin Nichtgetaufte oder aus der Kirche Ausgetretene nicht mehr einer Mitarbeitervertretung angehören).

- schrittweise die beamtenähnlichen Dienstverhältnisse für Geistliche und höhere kirchliche Angestellte in Angestellenverhältnisse überführen, um so das umlagefinanzierte Rentensystem materiell zu stärken und ideell zu propagieren. (Kann denn ein kirchliches Papier ernstlich eine kapitalgedeckte Rente als Beitrag zur Problemlösung in Betracht ziehen?)

-  sofort aufhören, kirchlichen Grund- und Boden zu privatisieren. (Genossenschaftliches Eigentum oder Verpachtung wäre dagegen ein beispielhaftes Handeln gegen die Bodenspekulation.)

-  Geld nur genossenschaftlich oder öffentlich rechtlich geführten Banken anvertrauen. (Den Aktienhandel oder direkte Firmenbeteiligungen sollten wir den Banken überlassen, denen wir das Geld anvertraut haben.)

- nicht der gängigen Betriebswirtschaftslehre folgen, die auf Konzentration setzt, sondern möglichst die Ortsgemeinde erhalten, gegebenenfalls in Gestalt ökumenischer (interkonfessioneller) Ortsgemeinden. (Die Prägung einer ökumenischen Gemeinde sollte dabei der jeweiligen Mehrheitskonfession zustehen.)