Stellungnahme katholischer Sozialethiker/-innen zur Ökumenischen Sozialinitiative

Die Ökumenische Sozialinitiative der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland hat eine breite Diskussion angestoßen. Die zentralen Etappen des Diskussionsprozesses, vom Kongress "Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft" bis zu den Stellungnahmen, Gastbeiträgen und Kommentaren hier auf dieser Webseite, sind im Dokumentationsband "Im Dienst an einer gerechten Gesellschaft" zusammengefasst, den Sie hier als PDF herunterladen können

Als Verantwortliche für das Fach Christliche Sozialethik an deutschen Hochschulen begrüßen wir die Ökumenische Sozialinitiative des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz. Dass es den beiden Kirchenleitungen gelungen ist, sich auf eine gemeinsame Stellungnahme zu grundlegenden gesellschaftspolitischen Fragen zu einigen, stellt ein gutes Zeichen in ökumenisch schwierigen Zeiten dar. Besonders hervorzuheben ist u.E. die Einladung zu einem kirchlichen und gesellschaftlichen Dialog über eine notwendige Erneuerung der Wirtschafts- und Sozialordnung.

Zugleich sind wir besorgt, dass die bisherige Anlage dieser Konsultation – vor allem in zwei Punkten – dem Anliegen eines Dialogs mit inhaltlicher Substanz nicht gerecht wird. Erstens sollen die Diskussionsprozesse bereits durch einen Kongress am 18. Juni 2014 gebündelt und abgeschlossen werden. Seit Veröffentlichung der Stellungnahme sind dann aber erst dreieinhalb Monate vergangen. Für die Erarbeitung einer differenzierten Stellungnahme, die bei Verbänden ggf. auch noch intern abgestimmt und durch Mitgliedervoten legitimiert werden muss, ist dies viel zu kurz. Fundierte Dialogtagungen werden nur wenige kirchliche Bildungseinrichtungen in so kurzer Zeit auf die Beine stellen können.

Zweitens haben die Kirchenleitungen bisher lediglich in Aussicht gestellt, dass die eingehenden Stellungnahmen dokumentiert und veröffentlicht werden. Damit liegt bisher der Zielpunkt des Prozesses noch im Dunkeln. Das Ökumenische Sozialwort von 1997 nahm Impulse aus einem Konsultationsprozess auf, der 1994 nicht nur mit einer Diskussionsgrundlage begonnen hatte, sondern auch mit der Zusage der Kirchenleitungen, am Ende einen aufgrund der Debatten veränderten Text zu veröffentlichen. Dass es im Rahmen der Sozialinitiative (bisher) eine solche Zusage nicht gibt, schwächt die Motivation zur Teilnahme.

Dass die Kirchenleitungen eine grundsätzlich angelegte Stellungnahme zur Gesellschaftspolitik in einem breit angelegten Diskussionsprozess mit der eigenen „Basis“ und mit anderen gesellschaftlichen Gruppen vorbereiten, steht darüber hinaus für ein neues Verständnis von kirchlicher Sozialverkündigung, das wir für einen wichtigen Fortschritt halten: Die Kirchenleitungen drängt es, zu den Nöten und Sorgen der Menschen politisch-ethisch Stellung zu nehmen; aber sie positionieren sich erst, nachdem sie dazu die Erfahrungen und die Sachkompetenz der „Basis“ in ihrer ganzen Breite einbezogen und die Argumente anderer gesellschaftlicher Gruppen kennen gelernt haben. Diese Vorgehensweise wählten nicht nur der Rat der EKD und die Deutsche Bischofskonferenz bei der Vorbereitung des Sozialworts von 1997, sondern zuvor die US-amerikanischen (1984-86) und die Österreichischen Bischöfe (1988/89) sowie danach die Kirchenleitungen in der Schweiz (1998-2003), erneut in Österreich (2000 bis 2003) und in Luxemburg (2006/07). Unserer Meinung nach wäre es für die Entwicklung der Sozialverkündigung auf ortskirchlicher Ebene ein bedauerlicher Rückschritt, wenn die Diskussionen der Ökumenischen Sozialinitiative nicht in eine neue offizielle Stellungnahme des Rates der EKD und der Bischofskonferenz münden würden.

Prof. Dr. Markus Vogt

Prof. Dr. Gerhard Kruip

Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins

Prof. Dr. Bernhard Emunds

Prof. Dr. Alois Baumgartner

Prof. Dr. Dr. Karl Gabriel

apl. Prof. Hermann-Josef Große Kracht M.A.

Prof. Dr. Brigitta Herrmann

Prof. Dr. Johannes Hoffmann

Prof. Dr. Bernhard Laux

Prof. Dr. Johannes Müller SJ

Prof. Dr. Sonja Sailer-Pfister

PD Dr. Hansjörg Schmid

Prof. Dr. Michael Schramm

Prof. Dr. Joachim Wiemeyer

Prof. Dr. Günter Wilhelms