Zu wenig Weitblick

Die Ökumenische Sozialinitiative der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland hat eine breite Diskussion angestoßen. Die zentralen Etappen des Diskussionsprozesses, vom Kongress "Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft" bis zu den Stellungnahmen, Gastbeiträgen und Kommentaren hier auf dieser Webseite, sind im Dokumentationsband "Im Dienst an einer gerechten Gesellschaft" zusammengefasst, den Sie hier als PDF herunterladen können

Dr. Claudia Nothelle

Dr. Claudia Nothelle ist katholische Theologin, Programmdirektorin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb) und Mitglied im Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin.

Mirko Schadewald

Mirko Schadewald ist Vorsitzender des Sachausschusses "Politik und Gesellschaft" des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Berlin.

Für den Sachausschuss "Politik und Gesellschaft" des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Berlin hat die Sozialinitiative der Kirchen „Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft“ vor allem ein Manko: zu wenig Weitblick.

Das Papier endet in seinen Überlegungen vielfach an den Grenzen der Bundesrepublik Deutschland oder aber der EU. Dabei können die großen Probleme wie zum Beispiel die Finanzkrise nur global gelöst werden. Der Sachausschuss plädiert dafür, dass gerade Christen nicht nur auf das Wohlergehen des eigenen Landes achten, sondern die Nöte anderer Länder und Regionen nicht aus dem Blick zu verlieren.

Zwar sprechen die Verfasser unter der Überschrift „Warum wir uns zu Wort melden“ selbst die Herausforderungen der Globalisierung als Triebfeder an, in der ausführlichen Analyse beschränkt sich der Blick jedoch:  „Die Krisenjahre haben auch gezeigt, dass es Deutschland besser als anderen Industrieländern gelungen ist, sich auf die Herausforderungen der Globalisierung einzustellen.“  Und die anderen? Was ist mit unseren europäischen (Fast-)Nachbarn Portugal, Spanien, Italien oder gar Griechenland?

Auf zentrale, aber strittige Themen beschränken

Sicher: das Papier ist ein Papier der deutschen Kirche und hat in erster Linie damit auch die deutschen Katholiken und Protestanten als Zielgruppe vor Augen. Aber haben nicht gerade wir, die wir die Krise besser als die anderen gemeistert haben, eine besondere Verantwortung? Der Sachausschuss „Politik und Gesellschaft“ hätte sich hier ein klareres Signal gewünscht.

Denn die Herausforderungen durch die Globalisierung kennzeichnen einen, wenn nicht den zentralen Unterschied zu der Situation 1997, als das erste gemeinsame Sozialwort entstanden ist.

Das Papier ist ein Konsenspapier: Es macht nicht durch steile Forderungen und Thesen auf sich aufmerksam, sondern eher in der Debatte „Was alles fehlt“. Auch dieser Liste hätte der Sachausschuss noch einiges hinzuzufügen – vom Thema Pflege und Familie bis hin zur Frage der Partizipation bei der Entstehung des Papiers.

Um jedoch die Breite und damit auch in manchen Teilen die Beliebigkeit des Papiers nicht zu vergrößern, plädieren wir für eine Beschränkung auf zentrale, vielleicht auch strittige Themen. Dazu gehört aus unserer Sicht ganz zentral die Debatte um die Globalisierung und die Verantwortung, die daraus für uns sehr konkret in Deutschland erwächst.