Johannes Stockmeier

"Es darf keine Haltung der Gleichgültigkeit geben"

Die Ökumenische Sozialinitiative der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland hat eine breite Diskussion angestoßen. Die zentralen Etappen des Diskussionsprozesses, vom Kongress "Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft" bis zu den Stellungnahmen, Gastbeiträgen und Kommentaren hier auf dieser Webseite, sind im Dokumentationsband "Im Dienst an einer gerechten Gesellschaft" zusammengefasst, den Sie hier als PDF herunterladen können

Johannes Stockmeier

Oberkirchenrat Johannes Stockmeier ist Präsident der Diakonie Deutschland und Vorstandsvorsitzender des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung.

Angesichts der politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen ist ein gemeinsames Votum der beiden großen Kirchen in Deutschland ein wichtiges Signal. Die Initiative setzt sich mit den Folgen der Finanzmarktkrise auseinander, die für viele Menschen dramatische und existenzbedrohende Auswirkungen haben. Die Diakonie engagiert sich im Interesse der Menschen, die in prekären wirtschaftlichen Verhältnissen oder sozialer Ausgrenzung leben für eine offene, solidarische und inklusive Gesellschaft mit einer tragfähigen sozialen Infrastruktur.

Angesichts von Unrecht und Not darf es keine Haltung der Gleichgültigkeit geben. Die möglichst umfassende soziale Inklusion und Partizipation aller Menschen als gesellschaftliches Ziel und Leitperspektive von Sozialpolitik ist nur zu bekräftigen. Dieses Ziel darf aber nicht unbestimmt bleiben, sondern muss konkret werden, z.B. indem mit Menschen mit Behinderung gemeinsam Teilhabe gestaltet wird.

Ich freue mich, dass sich die Kirchen in der Arbeitsmarktpolitik deutlich für eine öffentlich geförderte Beschäftigung aussprechen. Wir dürfen nicht hinnehmen, dass gerade langzeitarbeitslose Menschen dauerhaft von Erwerbsarbeit ausgeschlossen werden!

Die älter werdende Gesellschaft wird thematisiert. Aus Sicht der Diakonie müssen entschieden Maßnahmen zur Verhinderung von Altersarmut ergriffen werden. Zur Bewältigung des demographischen Wandels gehört auch die menschenwürdige Versorgung der zunehmenden Zahl pflegebedürftiger Menschen. Dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe hätte ich in der Initiative mehr Raum gewünscht.

Deutschland ist ein Einwanderungsland. Es gilt, Menschen unabhängig von ihrer Herkunft die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, die Kompetenzen von Zugewanderten zu stärken und zu nutzen. Die Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände sind wichtige Akteure einer menschenrechtsorientierte Migrations- und Asylpolitik. Es ist daher schade, dass dieser zentrale Aspekt des gesellschaftlichen Wandels kaum Berücksichtigung findet. Wir haben als Diakonie und als Kirchen etwas zu einer Kultur des Willkommens in unserem Land beizutragen!

Ich hoffe, dass die Initiative der Kirchen einen Anstoß gibt, politische Wege zu suchen, die Freiheit und Verantwortung in ein sinnvolles, am Wohl der Menschen orientiertes Verhältnis zueinander zu bringen.