...an der Gestaltung einer europäischen Solidaritäts- und Verantwortungsgemeinschaft mitwirken

Die Ökumenische Sozialinitiative der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland hat eine breite Diskussion angestoßen. Die zentralen Etappen des Diskussionsprozesses, vom Kongress "Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft" bis zu den Stellungnahmen, Gastbeiträgen und Kommentaren hier auf dieser Webseite, sind im Dokumentationsband "Im Dienst an einer gerechten Gesellschaft" zusammengefasst, den Sie hier als PDF herunterladen können

Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Integration Europas ist so weit fortgeschritten, dass bei allen Fragen stets die europäische Dimension mitbedacht werden muss. Wie sehr die Staaten Europas mittlerweile miteinander verwoben sind, zeigt sich derzeit in der sogenannten Eurokrise, deren Bewältigung die Mitgliedstaaten der Europäischen Union vor große Herausforderungen stellt. Trotz umfangreicher Rettungsmaßnahmen für zahlungsunfähig gewordene
Staaten ist bisher keine grundlegende Besserung der Situation eingetreten; die wirtschaftliche und soziale Situation in einigen Ländern des Südens ist weiter angespannt. Dies stellt den Zusammenhalt innerhalb der Union auf eine harte Probe. Während in den Staaten, die mit ihren finanziellen Garantien Hilfe leisten, die Bereitschaft zur Unterstützung brüchig ist, wehren sich die Hilfeempfänger gegen die Sparauflagen mit dem Ziel der Verschuldungsbegrenzung und Haushaltskonsolidierung, da sie wirtschaftliche Einbrüche befürchten müssen. Das Europäische Gemeinschaftsgefühl bleibt auf der Strecke. Deshalb ist die Bewältigung der Eurokrise nicht nur eine wirtschaftliche und finanzielle Frage, sondern eine essentielle Frage nach dem Zusammenhalt Europas.

Bei der Lösung der wirtschaftlichen und finanziellen Probleme müssen daher vor allem die Prinzipien von Solidarität und Subsidiarität zur Geltung und die verschiedenen Interessen miteinander in Einklang gebracht werden. Im Sinne der Solidarität dürfen die von der Krise betroffenen Länder nicht fallen gelassen werden. Echte Solidarität nimmt dabei in den Blick, dass die Unterstützung tatsächlich den Schwachen und nicht nur den in die Krise geratenen Banken in den Geberländern zugutekommt. Die Rettungsmaßnahmen verfolgen jedoch oftmals ein starkes Eigeninteresse der reicheren Länder.

Den gefährdeten Ländern eine langfristige Perspektive auf eine nachhaltige wirtschaftliche Konsolidierung eröffnen

Es ist richtig, dass Deutschland aufgrund seiner wirtschaftlichen Stärke und der damit einhergehenden besonderen Verantwortung Haftungsrisiken im Rahmen der Maßnahmen zur Stabilisierung einzelner Krisenländer und der Währungsgemeinschaft insgesamt übernommen hat. Die Prinzipien von Solidarität und Subsidiarität beinhalten jedoch eine Gegenseitigkeit, die über die bloße Hilfe des Stärkeren für den Schwachen hinausgeht. Auch Hilfeempfänger müssen selbst Verantwortung übernehmen. Mittel- und langfristig führt kein Weg daran vorbei, die Staatshaushalte zu konsolidieren. Dabei muss jedoch auch beachtet werden, dass dieses Ziel durch radikale kurzfristige Kürzungen konterkariert werden kann. Zudem ist darauf zu achten, dass die Lasten dieser Konsolidierungspolitik gerecht verteilt werden. Im Sinne der Subsidiarität und der Eigenverantwortung müssen Bewältigungsstrategien entwickelt werden, die falsche Anreizwirkungen vermeiden und durch Reformen den gefährdeten Ländern eine langfristige Perspektive auf eine nachhaltige wirtschaftliche Konsolidierung eröffnen. Auch in der notwendigen Fortentwicklung der europäischen Integration müssen beide Aspekte, Solidarität und Verantwortung, gleichermaßen berücksichtigt werden. Deshalb ist es richtig, den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) mit dem Fiskalpakt zu verbinden. Nur so wird Europa zu einer wirklichen Solidaritäts- und Verantwortungsgemeinschaft weiter zusammenwachsen.

Bei den schwierigen Verhandlungen über die Bewältigung der Eurokrise darf nicht vergessen werden: „Das historische Werk der europäischen Einigung darf keinesfalls auf den wirtschaftlichen Aspekt verkürzt werden.“[2] Die Geschichte hat uns gelehrt: Europa war und ist eine Gemeinschaft des Friedens und gemeinsamer Werte und Grundüberzeugungen, und die europäische Einigung ist von dem Willen getragen, das Schicksal auch gemeinsam in die Hand zu nehmen und zu gestalten. Dabei trägt Deutschland eine besondere Verantwortung, um die europäische Idee einer Friedensgemeinschaft weiterzuentwickeln.

Ein weiteres Element darf in der innereuropäischen Krise nicht in Vergessenheit geraten: Europa als der reichste Kontinent der Welt darf sich selbst nicht genug sein. Er trägt Verantwortung in und für die Welt. Das gilt nicht nur außen- und sicherheitspolitisch, sondern vor allem auch wirtschafts-, sozial- und entwicklungspolitisch. Deshalb sollte Europa in den weltweiten Veränderungsprozessen eine wichtige Funktion einnehmen. Die in Europa gewachsenen Traditionen einer Wirtschaft, die den sozialen Ausgleich nicht als Zusatzaufgabe sieht, sondern in den Wirtschaftsprozess einbaut, können helfen, eine globale Wirtschaft zu entwickeln, in der wirtschaftlicher Wohlstand, ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit gleichermaßen zentrale Säulen bilden. Deshalb kommt der Europäischen Union eine große Verantwortung zu, auch auf globaler Ebene eine Form des Wirtschaftens zu fördern, die jedem Menschen auf der Erde nützt.

[2] Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland / Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hrsg.): Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit. Wort des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland, Hannover / Bonn 1997 (Gemeinsame Texte, 9), Nr. 82. zurück

Kommentare

Vielleicht sollte erstmal innerhalb der Krisenländer Solidarität gelebt werden, bevor andere Gesellschaften dazu verdonnert werden. Es ist nicht einzusehen, dass der deutsche Steuerzahler für die Schulden Griechenlands einstehen soll.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass sich die Kirchen auf ihre Gemeindearbeit beschränken sollten.

Lieber Herr Baumann,
welche Gemeindearbeit meinen Sie denn?

In den Kirchengemeinden wird über "Loki Schmidt" referiert oder über die Zarenfamilie "die Romanows" oder über "Thaddäus Troll" so nach dem Motto: Deutschland Deine Schwaben. Ach ja, auch die Wetterregeln sind Thema in den Kirchengemeinden und natürlich "Ägypten".

Wie Sie vielleicht feststellen, möchten die Glieder der Kirchengemeinden nicht befähigt werden, das Evangelium weiterzusagen....wollen eher Kaffee trinken und Kuchen essen und ab und zu mal Gymnastik machen, aber nicht zu oft!

In China und Indien leben wesentlich mehr Köpfe als in Europa. Der Reichtum ist schon auf Grund dessen, breit gefächert. China und Indien haben ein enormes Wirtschaftswachstum. Das liegt am niedrigen Lohnniveau und Lohnnebenkosten gibt es nicht - Kaum Ausgaben für Sicherheit und Umweltschutz - dann - Industriespionage, und Kopieren westlicher Produkte, und vor allem die konkurrenzlos billigen Produktionskosten, so dass auch deutsche Unternehmer gern ihre Produktion auslagern. Die Leute dort müssen dort arbeiten rund um Uhr, deshalb kann das wenige verdiente Geld gar nicht ausgegeben werden. Die Leute legen ihre paar Kröten auf die hohe Kante. Schon allein aus diesen Rahmenbedingungen heraus ist China und Indien wesentlich reicher als Europa. Nicht umsonst wandern die Banken aus nach Honkong und nach Mumbai.

Ich meine, zwischenzeitlich sieht es auch in Deutschland fast genauso aus, wie in China. Ein China-Restaurant mit Zebrafleisch, Krokodilfleisch...jagt das nächste, ein chinesisches Teehaus überbietet das nächste und in jedem Dorf findet man Tai-Massage-Salons und Imbissladen mit Frühlingsrollen und Glasnudeln. .Ich bin davon überzeugt, dass Europa bereits fest in chinesischer Hand ist, gefolgt von Indien.

Jeder aufmerksame Beobachter kann doch beim shopping-gehen erkennen, dass in fast allen deutschen Geschäften man die indischen Göttinnen und Götter zum Sonderangebotspreis kaufen kann und natürlich auch den breit grinsenden Buddha mit dem dicken Wampen, der über die Hose quillt. In fast jedem 10. deutschen Garten findet man diese Gottheiten mitten auf dem englischen Rasen und in jedem 2. Wohnzimmer stehen diese indischen Göttinnen, und die ganze Christenheit findet das völlig okay und schickt sogar noch regelmässig die Sonntagskollektenbüchse nach Asien.

Ich meine, da ist doch Hopfen und Malz verloren und jetzt will diese kirchliche Sozialinitiative, dass gerade WIR in Deutschland die Verantwortung tragen sollen für den Rest der Welt. Ich glaub, mein Vogel piept.

Allerdings: Fast zwei Drittel des weltweiten Vermögens liegt in der Schweiz. Dieser Reichtum stammt aber nicht von den Einwohnern, sondern von Ausländern, die ihr Geld auf Schweizer Banken gebunkert haben. Meine Idee wäre, dass doch eigentlich die Schweizer die Verantwortung für die ganze Welt tragen könnten. Ich meine, dieses Land ist zwar klein aber reich und vor allem OHO!

Ich vermute, dass dieser Artikel weniger darauf abzielt, die kirchlichen Gemeindearbeiten aufzuwerten, den Wohlstand Europas zu propagieren, noch den Deutschen Altruismus abzuverlagen, als vielmehr deutlich zu machen, was Verantwortung und Solidarität für fortgeschrittene Gesellschaften im Allgemeinen im Kern bedeuten kann.

Zunächst kann Verantwortung und Solidarität nur ausüben, wer über entsprechende Macht -oder sagen wir lieber Kraft- verfügt. Es ist eine Gnade, über entsprechende Fähigkeiten zu verfügen. Wir sind insofern ein begnadeter Staat, weil wir die Kraft und die Erfahrungen haben, umsichtig und verantwortungsbewusst handeln zu können. Nicht zuletzt ist es das Leid und die Schmach unser Vergangenheit, die -wie ich meine- nachhaltig dazu beitragen kann, sofern man in der Lage ist, aus Fehlern zu lernen.

Es ist aus meiner Sicht endlich Zeit zu zeigen, dass wir aus der Vergangenheit gelernt haben und deshalb, wie erwachsene Menschen voller Inbrunst eine solche große Herausforderung, wie sie Europa nunmal ist, mit Verantwortung und Solidarität zu anzunehmen. Mit Liebe anderen begeneten, lässt sie auf uns aufschauen.

Es spielt keine Rolle, dass nur wenige Menschen über das meiste Geld der Welt verfügen. Der kleine Grieche hat ebenso viele Sorgen und Sehnsüchte, wie der kleine Deutsche. Sorgen und Sehnsüchte sind des Menschen eigen, unabhängig der Herkunft.

Wir können mit Verantwortung und unseren Erfahrungen Wege und Möglichkeiten aufzeigen, damit andere Länder nicht die gleichen Fehler machen, wie einst Deutschland. Das wäre in der Tat nicht nur für Europa fatal, sondern mittlerweile für das ganze Leben auf diesem Planeten.

Ich wünsche mir, dass wir mit väterlicher Verantwortung und mütterlicher Liebe Europas Länder mit einer Solidarität, wie sie z.B. Eltern gegenüber ihren Kindern haben, und es so zu einem gelobten Land machen, dass daraus Früchte für die ganze Welt erwachsen. Aber das erfordert mehr als Courage. Die Kommentare auf dieser Seite lassen mich allerdings ernüchtern.

Amen.

Zur Erinnerung: Unsere Sozialversicherung pflegt sehr wohl das Solidaritätsprinzip. Dies bedeutet, dass ein Bürger nicht allein für sich verantwortlich ist, sondern sich die Mitglieder einer definierten Solidargemeinschaft gegenseitig Hilfe und Unterstützung gewähren. Im Krankheitsfall werden die zu versichernden Erkrankungsrisiken von allen Versicherten gemeinsam getragen.

Wie Sie vielleicht bemerken, muss man zunächst mal zu einer Solidargemeinschaft dazugehören, seinen Mitgliedsbeitrag zahlen, und dann läuft die Solidargemeinschaft rund.

Sie können doch nicht erwarten, dass wir Ihre Krankheiten finanzieren, obwohl sie vielleicht gar nicht zur Soldiargemeinschaft dazugehören. Alles hat ein Ende Herr Zufällig.

Vielen Dank für den Einwand, Herr / Frau Gast in Deutschland! Dann ist ja alles gut. Die Versicherungen werden's schon richten, so wie die Versicherungen uns vor Unrecht, Unfall und Tod schützen. Junge, haben DIE eine Macht. Ich habe eigentlich die erwachsenen Menschen ansprechen wollen. Wie lange nimmt denn der Bedürftige? Bis der Spender der Bedürftige ist? Und was macht der Bedürftige, wenn der Spender bedürftig wird? Warscheinlich gründen Sie eine Solidargemeinschaft. Nein, nein, das ist mir zu kurz, zu blauäugig, und zu schwarz/weiß gedacht. Glauben Sie wirklich an ein unkalkulierbares Chaos oder an eine Invasion? Wenn ja, dann müssen Sie sich in Ihrer Unsicherheit unbedingt helfen lassen. Aber nicht von Versicherungen. Und wenn Sie so weit sind, haben Sie bestimmt eine allgemeingültige Lösung und retten Deutschland.

Es ist sicher natürlich, dass, sobald man es sich in der Solidargemeinschaft gemütlich gemacht hat, GAST heißt und alles ein erkennbares Ende hat, nicht unbedingt auffallen will und schon gar nicht jemanden neben sich haben will, der irgendwie auffällig geworden ist. Da kann man schon mal sein unmut äußern, aber bitte nur mittelbar.

Mir scheint in diesem Zusammenhang das Wort Solidarität doch etwas schizophren. Solidargemeinschaft von Mitläufern. Über Babalitäten schimpfen, aber keine Verbesserungsvorschläge machen. Man könnte ja zur Rechenschaft gezogen werden.

Jeder sollte sich -natürlich für sich selbst und im Stillen- die Frage stellen, ob er einen Menschen ernsthaft, willentlich und in seiner Gegenwart unter unvorstellbar grausamen Umständen sterben lassen kann. Und wenn es doch passiert, eine solche Szene ganz einfach vergessen? Da kann man nichts machen, die Person gehörte nicht der Solidargemeinschaft an! Und überhaupt, sterben müssen wir alle mal!

Aber vielleicht haben Sie doch ein kleines, ängstliches Herz. Aber dann sollten Sie nicht vom Ausgrenzung reden. Es könnte auch Sie oder einer Ihrer Lieben treffen.

Wir sind weit entfernt vom "mündigen Bürger". Wenn es soetwas gäbe, bräuchten wir keine Blender, wie Versicherungen, Banken und Arbeitgeber. Dann wären wir alle Unternehmer, ohne Existenzängste und mit reifem Selbstbewußtsein. Ich spreche nicht von Autonomie, sondern von Verantwortung und Solidarität! Und da ist sehr wohl jeder Einzelne gefragt. Mit dem Individuum beginnt das Leben, die Dynamic. Alles andere ist statisch, fest, unendlich und trägt das kurze, quietschlebendige Leben.

Nur Mut!

Auf S. 54 heißt es:
„Im Sinne der Solidarität dürfen die von der Krise betroffenen Länder nicht fallen gelassen werden. Echte Solidarität nimmt dabei in den Blick, dass die Unterstützung tatsächlich den Schwachen und nicht nur den in die Krise geratenen Banken in den Geberländern zugutekommt.“
Warum nur „in den Geberländern“? Wäre eine solche Unterstützung, die anstsatt den Schwachen den in die Krise geratenen Banken in den Nehmerländern zugutekommt, etwa vertretbarer?

Auf S. 55 heißt es:
„Das historische Werk der europäischen Einigung darf keinesfalls auf den wirtschaftlichen Aspekt verkürzt werden.“
Das „Projekt Europa“ war von Anfang an als Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) konzipiert. Die spätere EG und heutige EU haben versucht, diese Zielsetzung zur Friedenspolitik hochzustilisieren. Das mag nach dem 2. Weltkrieg notwendig gewesen sein; heute glaubt wohl niemand mehr, daß etwa zwischen Deutschland und Großbritannien ein neuer Krieg ausbräche, falls Großbritannien aus der EU ausschiede, und eine gemeinsame EU-Friedenspolitik ist bisher immer kläglich gescheitert (Jugoslawien 1995). Das „Projekt Europa“ ist damit wieder auf seine ursprüngliche wirtschaftliche Zielsetzung reduziert, die zwar der Wirtschaft in der EU nützt, den EU-Bürgern aber keine nennenswerten Vorteile einbringt. Nationale Egoismen spielen nach wie vor eine große Rolle.
Der Begriff „Projekt“ beinhaltet einen Zukunftsplan, der erst noch verwirklicht werden muß. Wie könnte dieser Zukunftsplan für die EU aussehen? Was macht ihn so wichtig, daß er nicht scheitern darf? Etwa die Fortentwicklung der europäischen Integration, die hier unhinterfragt als „notwendig“ erachtet wird? Etwa die EU als Vorbild für die Welt?

Obwohl Europa geographisch gesehen ein Subkontinent ist, der mit Asien zusammen den Kontinent Eurasien bildet, wird es historisch und kulturell begründet meist als eigenständiger Kontinent betrachtet. Europa erschöpft sich aber nicht in der geographischen Definition, sondern bezieht sich auch auf die historische, kulturelle, politische, wirtschaftliche, rechtliche, Europa- Zeit mässige und auf die ideellen und Tourismus mässigen Aspekte. Es ist doch so, dass wir Partnerstädte in der Türkei haben, dort Partnertausch durchführen und unsere Rollstühle und ausgesonderten Polizeiautos und Krankenwagen ins tiefste Anatolien bis zur Syrischen Grenze transferien. Wir sollten schon bei den Tatsachen bleiben. Letztendlich ist es auch so, dass im biblischen Antiochia die erste christliche Höhlenkirche steht, die sogar vom katholischen Papst anerkannt wurde. Jedes Jahr pilgern Deutsche, und Europäer allgemein, inclusive den Japanern dort hin. Deshalb entsteht eigentlich dort das neue Wirtschaftswunder.

Solange die Unternehmer keine Verantwortung übernehmen, können wir hier viel herumdiskutieren.

FAKT: Damit die Erdnussflips immer knackiger werden, dafür werden extra Studien durchgeführt. Sinn und Zweck: Der Verbraucher soll die Flips so l uecker finden, dass daraus eine Sucht wird und sofort die ganze Tüte gefuttert wird. Dadurch wird so mancher Mensch immer adipöser und irgendwann muss die Krankenkasse die Folgekosten für die hochfliegenden Unternehmerziele tragen.

Selbst bei einschlägig bekannter Kindernahrung ist so viel Zucker enthalten, dass kleinen Kindern sofort die Zähne aus dem Mund herausfaulen.

Zudem wird die europaweite Menschheit mit der Lebensmittelkennzeichnung verarscht bis zum "geht nicht mehr". Immer neue Tricks werden eingesetzt: z. B.: EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel/Frittierfett-Zertifikate etc) .... so mancher Mensch sitzt täglich auf dem Sofa und stopft tütenweise Chips in sich hinein, mal ganz abgesehen von denjenigen Menschen, die die ganze Zeit vor dem Computer und Fernseher verbringen.

Ich glaube: Europa wird der Kontinent der Sesselpupser. Und daran sind nicht die Unternehmer schuld, sondern wir selber, weil wir uns von verführerischen Angeboten locken lassen, anstatt konsequent NEIN zu sagen.

Ich meine: Gewisse "krankmachende" Produkte sollten einfach nicht mehr gekauft werden. Doch es mangelt eindeutig an Eigeninitiative.

"Trotz umfangreicher Rettungsmaßnahmen für zahlungsunfähig gewordene Staaten ist bisher keine grundlegende Besserung der Situation eingetreten; die wirtschaftliche und soziale Situation in einigen Ländern des Südens ist weiter angespannt."

Diese Passage ist sehr mißverständlich formuliert, denn sie suggeriert, dass die Rettungsmaßnahmen letztlich nutzlos gewesen sind und folgt damit der sehr kritische Beurteilung der europäischen Politik durch die deutschen Konservativen und Lieberalen. Tatsächlich haben die Maßnahmen sehr geholfen, denn ohne sie wären Griechenland, Portugal, Irland und wahrscheinlich auch Spanien zahlungsunfähig geworden mit der Folge des Zerfalls der staatlichen Strukturen in diesen Ländern. Es wären u.a. keine Renten und keine Gehälter für Staatsbedienstete mehr gezahlt worden. Ich bitte um etwas Phantasie, um sich auszumalen, wie die Situation in diesen Ländern ohne die europäische Solidarität wäre.

Auf der anderen Seite war es die Rettungsphilosophie, die insbesondere von Deutschland durchgesetzt wurde, gerade nur das Sterben der Länder zu verhindern, aber nicht zusätzliche Mittel zur Verbesserung der Situation einzusetzen. Diese Anpassungsprozesse an wettbewerbsfähigere Strukturen mussten die Länder weitgehend aus eigener Kraft vollziehen. Das unter diesen Umständen die wirtschaftliche Situation noch angespannt ist, ist nicht verwunderlich.

Die Argumentation in diesem Kapitel über Europa ist ausgewogen und differenziert. Hilfe der Starken (Deutschland) werden neben die Eigenverantwortung der Schwachen gestellt.
Aber insgesamt bleibt die Aussage des Textes visionslos. Wo bleibt das Plädoyer für den europäischen Bundesstaat, mehr europäische Demokratie und für das stärkere Zusammenwachsen der Völker in Frieden ?

Wo bleibt der Aufruf zum Erklimmen einer höheren Stufe der Solidarität und Integration von Europa ? Das ist ja das CDU Europawahlprogramm visionärer. Hier ein Auszug daraus:

"Dies verpflichtet uns, den Weg der europäischen Einigung entschlossen fortzusetzen und uns weiter für ein friedliches und demokratisches Europa einzusetzen. Diese Aufgabe ist für uns sowohl eine Frage der Vernunft als auch eine Herzenssache."

Wenn ich die Wahlaussagen unserer Politiker auf die Waagschale legen würde, dann wäre ich schon lange verzweifelt. Visionär mögen sie ja sein, doch umgesetzt wird primär nur das, was die Wirtschaft vorantreibt und nicht das, was Demokratie stärken könnte. Einzelne Menschen gehen im wirtschaftlichen Vorwärtsstreben verloren und werden mit ihren Visionen durch den globalen Förderwahn diskriminiert. Lobby ist die Musik, die unsere Politiker vorantreibt und nicht die Individualität des Kleinunternehmer und des einzelnen Bürgers mit innovativen Denkanstößen, die dann doch wieder nur industriell vermarktet werden. Es ist traurig als frei erzogener Mitbürger der Europäischen Union das Gefühl zu bekommen, diese Freiheit geht immer mehr verloren, weil sich Politik mehr um die Masse als um "Klasse" kümmert. Jeder Mensch hat seinen Anspruch auf gerechte Voraussetzungen für die eigenen Ideen und nicht nur der, der sich dieses Recht erkaufen oder erstreiten kann. Die Rechtsstaatlichkeit unserer deutschen Demokratie verliert sich immer mehr in Straßenkämpfen, die unsere Gerichte so fordern, dass sie keine Kapazitäten frei haben, sich um die Einhaltung der Rechtsprechung zu kümmern. Konsequentes handeln im Umgang miteinander ist die Basis für eine demokratische Weiterentwicklung der Menschen in einem geeinten Europa und nicht die Legitimierung von teilweise sehr fragwürdigen Zusammenschlüssen und Firmenverknüpfungen, deren einziges Ziel es ist die Rechtstaatlichkeit auszuschöpfen so gut es geht und sich an der Grenze der Legalität zu bewegen. Wie soll man mit Menschen, deren Denkweise sich nur nach wirtschaftlichen Interessen ausrichtet und die Entwicklung wirklich neuen Potentials außer Acht lässt, einen Konsens für ein gemeinsames Europa finden? Das angestrebte Freihandelsabkommen mit einem Land, das bekannt ist für seine Diskriminierung und Spionageaffären, ist das beste Beispiel für die Ausgrenzung der Bürger der betroffenen Länder von einer zukunftsträchtigen Entscheidung, die genau sie zu tragen haben. Hier sitzen Lobbyisten der Industrie mit Politikern an einem Tisch und verhandeln über die Köpfe der Bürger hinweg, was in Zukunft in den europäischen Ländern wirtschaftlich geschehen soll. Was ist daran demokratisch und wie soll man unter solchen Bedingungen Vertrauen in eine Europäische Union gewinnen?

Europa, zu schnell und nicht homogen gewachsen. Europa muss klare Bedingungen stellen bevor ein Staat in die EU kann. Gesellschaftlich, Politisch, Wirtschaftlich. Die jetzigen Probleme sind entstanden weil groß und viel wichtiger war wie Substanz. Griechenland, Bulgarien mit ihrer Wirtschaft. Und bei der Staatsverschuldung, da halten wir uns selber nicht an die Regeln.

Gastbeiträge zu dieser These

17.02.2015
Zur Gestaltung einer gerechten Wirtschafts- und Sozialordnung ist Europa unabdingbar, schreibt Kathrin Hatzinger, die Leiterin des EKD-Büros in Brüssel.
16.02.2015
Beim sozialethischen Gespräch am 31. Januar 2015 in Frankfurt hat der Sozialethiker Franz Segbers drei Thesen zur Sozialinitiative und ihrer Resonanz aufgestellt. Diese Thesen und die Ausführungen von Franz Segbers sind hier dokumentiert.
Der "Trägerkreis Lankwitzer Friedensgespräche" in Lankwitz, einem Ortsteil des Bezirks Steglitz-Zehlendorf, hat sich zu jedem Abschnitt der Sozialinitiative Gedanken gemacht und Anmerkungen formuliert, die hier vollständig dokumentiert werden.
Für den Sachausschuss "Politik und Gesellschaft" des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Berlin hat die Sozialinitiative der Kirchen „Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft“ vor allem ein Manko: zu wenig Weitblick.
Aus Anlass des am 18. Juni 2014 in Berlin stattfindenden Kongresses zur Schrift "Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft - Initiative des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz für eine erneuerte Wirtschafts- und Sozialordnung" empfiehlt der Fachausschuss für Diakonie des Kirchenkreisverbandes An der Saar dem Vorstand des Kirchenkreisverbandes an der Saar im Rahmen des Konsultationsverfahrens folgende Stellungnahme abzugeben.
Der Leserkreis Publik-Forum Berlin hat sich ausführlich mit der Sozialinitiative der beiden Kirchen befasst. Daraus sind einzelne Stellungnahmen entstanden. Dies ist der Beitrag von Jochen Göbel. Der Text ist außerdem von der Jahresversammlung des Aktionskreis Halle (60 Teilnehmer) auf der Huysburg bei Halberstadt am 5. April 2014 als "Erklärung des AKH zur Initiative des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz für eine erneuerte Wirtschafts- und Sozialordnung" verabschiedet worden.
02.06.2014
Bei einer Diskussionsveranstaltung am 22. Mai 2014 in der Matthäuskirche in Frankfurt am Main hat sich eine Reihe von kritischen Anfragen aus der Diskussion und dem Publikum ergeben. Eine Redaktionsgruppe aus den Besuchern hat die Rückfragen, Kommentare und Beiträge der Veranstaltung zu sieben "kritische Anfragen" zusammengefasst.
24.03.2014
Gerhard Endres, Vorsitzender des KAB-Bildungswerks München und Freising, kommentiert die 10 Thesen der ökumenischen Sozialinitiative mit eigenen Ideen zur konkreten Umsetzung.