Bernd-M. Wehner

"Die Menschen wieder auf die eigenen Füße stellen"

Die Ökumenische Sozialinitiative der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland hat eine breite Diskussion angestoßen. Die zentralen Etappen des Diskussionsprozesses, vom Kongress "Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft" bis zu den Stellungnahmen, Gastbeiträgen und Kommentaren hier auf dieser Webseite, sind im Dokumentationsband "Im Dienst an einer gerechten Gesellschaft" zusammengefasst, den Sie hier als PDF herunterladen können

Bernd Wehner

Bernd-M. Wehner ist Bundesvorsitzender des Verbandes der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV).

17 Jahre nach Erscheinen des gemeinsamen Sozialwortes der evangelischen und katholischen Kirche war es an der Zeit, ein neues gemeinsames "Sozialwort" der beiden Kirche herauszugeben. In einer Zeit, in der vielfach aus Gleichgültigkeit als gleich gültig erscheint, ist Orientierung gefragt. Wer, wenn nicht der christliche Glaube, wäre dazu besser geeignet? Nur wenn man den Menschen als Ebenbild Gottes sieht, kann man seine menschliche Würde wirklich begründen. Insofern sollten auch Menschen, die nicht an Gott glauben, froh sein, dass auch ihre Menschenwürde durch dieses christlich geprägte Bild geschützt wird.

Deswegen begrüßen wir als KKV auch, dass in dem Papier zum einen die großen Herausforderungen der Zeit benannt werden, gleichzeitig aber auch Kriterien benannt werden, wie diese zu bewältigen sind. Entscheidend wird daher sein, dass sich jeder angesprochen fühlt und vor allem, jeder für sich selbst überlegt, wie er in seinem persönlichen, beruflichen und gesellschaftspolitischen Umfeld konkret dazu beitragen kann, die Welt im Kleinen zu verbessern. Wie hat es Anne Frank so treffend formuliert? "Wie herrlich ist es, dass niemand eine Minute zu warten braucht, um damit zu beginnen, die Welt zu verändern."

Die Menschen wieder auf die eigenen Füße stellen

Nicht zuletzt aus diesem Grund plädieren wir als KKV immer wieder für eine stärkere Akzentuierung des Subsidiaritätsprinzips – auch oder gerade im Bereich der Sozialpolitik. Die sozialste Tat ist daher, Menschen wieder auf die eigene Füße zu stellen und nicht sie zu ständigen Sozialhilfeempfängern zu machen. So wie man in der Erziehung dafür sorgen muss, Kindern das Rüstzeug für ein selbständig geführtes Leben zu geben, so muss auch eine Gesellschaft alles tun, dass jeder in die Lage versetzt wird, für seinen eigenen Lebensunterhalt selbst zu sorgen.

Nur wenn der Mensch wirklich im Mittelpunkt steht und Werte wie Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Nachhaltigkeit und Maß Leitschnur für das Handeln in Politik und Gesellschaft sind, kann es eine auf Nachhaltigkeit basierende Wirtschafts- und Sozialordnung geben. Der 'ehrbare Kauf-mann' muss nicht nur in aller Munde sein, sondern er muss vor allem praktiziert werden.