Kathrin Göring-Eckardt

"Gemeinsam darüber reden, wie wir leben wollen"

Die Ökumenische Sozialinitiative der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland hat eine breite Diskussion angestoßen. Die zentralen Etappen des Diskussionsprozesses, vom Kongress "Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft" bis zu den Stellungnahmen, Gastbeiträgen und Kommentaren hier auf dieser Webseite, sind im Dokumentationsband "Im Dienst an einer gerechten Gesellschaft" zusammengefasst, den Sie hier als PDF herunterladen können

Kathrin Göring-Eckardt

Kathrin Göring-Eckardt ist Bundestagsabgeordnete und Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.

"Deutschland geht es gut!" haben wir im letzten Jahr oft gehört. Aber diese Losung täuscht darüber hinweg, wie sehr Menschen in unserer Gesellschaft an Strukturen der Ungerechtigkeit leiden – obwohl es uns im Vergleich so gut geht. Die Wirtschaft wächst, aber wie ist es um den gleichberechtigten Zugang zu den Erfolgen dieses Wachstums für alle Menschen bestellt? Und wo bleibt die Umwelt, die von unserer Lebensgrundlage zum Instrument des Wirtschaftswachstums wird? Neben der Verteilungsgerechtigkeit ist die zentrale Frage die nach Teilhabe durch Bildung und Inklusion, und unsere Verantwortung für ein solidarisches und gerechtes Europa.

Die Initiative der Kirchen eröffnet im Zusammenspiel mit der geschaffenen Diskussionsplattform im Internet und der geplanten Konferenz eine Möglichkeit, gemeinsam mit den Menschen und der Politik darüber zu reden, wie wir leben wollen. Es gibt es keine fertigen Rezepte für die drängenden Fragen, wie wir das Wachstum nutzen, wie alle daran teilhaben können und wie wir verhindern können, dass Menschen unter die Räder eines stetigen Wachstumszwangs geraten. Die Antworten auf diese Fragen können wir nur im gemeinsamen Gespräch finden. Die Politik ist dabei, genauso wie die Wirtschaft, auf die kritischen Nachfragen der Zivilgesellschaft angewiesen, wenn sie nicht zum Selbstzweck werden sollen.

Die Kirchen haben den Anspruch, Stimme derer zu sein, die nicht gehört und gesehen werden. Ihre Initiative steht dabei in der Tradition der Sozialworte der Kirchen und des unermüdlichen Engagements der Kirchen für die Armen und Machtlosen. Wir alle, Politik, Kirchen, Wirtschaft, und jeder und jede Einzelne, sind aufgerufen, in unserem alltäglichen Tun nach konkreten Möglichkeiten für eine gerechte Gesellschaft zu suchen. Persönlich wünsche ich mir und uns eine lebhafte gesellschaftliche Diskussion, die uns zu konkreten Veränderungen führt.